Fusseros Geschichten

Eine Andere Perspektive

Es war ein sonniger Maitag. Ich war gerade losgegangen um einen Stadtbummel zu unternehmen. Da so schönes Wetter war ging ich zu Fuß in Richtung Innenstadt. Mein Weg führte mich dabei durch einen großen Park mit großen alten Bäumen, weiten Grünflächen und einigen kleinen Teichen. Ich war schon oft durch den Park gegangen.
Jedesmal fielen mir wieder die alten zugemauerten Eingänge der Luftschutzbunker auf. Diese alten Eingänge führen in Stollen die sich unter den Hügeln und Wällen des Parks befinden. Dadurch, daß der gesamte Park sehr hügelig ist und sowieso in einer großen Senke gelegen ist, gibt es hier auch Stellen an denen es immer eher duster ist. Die alten Eingänge gehören dazu, sie befinden sich in kleinen Seitenwegen , oder besser gesagt in den Seitennischen des Parks. Wenn man es eilig hat fallen sie einem kaum auf. Bei einigen stehen Bänke davor von denen aus man die Teiche oder die Vögel auf den Grünflächen beobachten kann.
Es war noch recht früh am Tag und ich war so ziemlich der einzige Mensch in dem Park. Irgendwie haben diese alten Bunkereingänge eine mystische Wirkung auf mich. Gerade kam ich an einer solchen Nische vorbei. Hier gab es keine Bänke, denn der alte Eingang liegt ein ganzes Stück zurückgesetzt hinter einem Hügel. Er ist vom Hauptweg aus nicht einsehbar. Ich weiß nicht warum, aber ich bog vom Hauptweg ab in Richtung des alten Eingangs. Ich stand vor dem Portal und schaute mich um. Was hier wohl früher los war, dachte ich und versuchte mich in die Zeit zurückzuversetzen. Einige der Stollen waren nicht extra als Luftschutzbunker angelegt worden, sondern sind schon viel älter. Sie wurden schon vor hunderten von Jahren angelegt und von den Menschen als kühler Lagerplatz genutzt.
Ich schaute auf den Boden. Es waren keinerlei Fußspuren zu erkennen, denn gestern Abend hatte es ein kräftiges Gewitter gegeben. Der feine Sandboden war vom Regen gleichmäßig eingeebnet worden. Ich sah auf meine Armbanduhr und stellte fest, daß ich nun zügig in die Stadt gehen sollte, wenn ich noch in Ruhe bummeln wollte.
Gerade wollte ich mich umdrehen um wieder auf den Hauptweg zu gehen, als mir etwas glitzerndes auf dem Boden auffiel. Irgend etwas mußte der Regen an dem Hang oberhalb des alten Eingangs frei gespült und hier neben das Portal geschwemmt haben.
Nachdem ich es aufgehoben hatte erkannte ich, daß es eine Art Amulett war. Es sah sehr alt und sehr wertvoll aus. Allerdings war es noch recht schmutzig. Ich behielt es in der Hand und ging zurück zum Hauptweg um nun endlich in die Innenstadt zu kommen.
Als ich an einem der Teiche vorbeikam spülte ich das Amulett im Wasser ab. Es war sehr gut erhalten und man konnte die reichhaltigen Verzierungen noch gut erkennen. Mit einem Taschentusch trocknete ich es ab und steckte es in meine Jackentasche.
Einige Zeit später kam ich in der Fußgängerzone an. Ich schlenderte an den Schaufenstern vorbei und schaute mal in dieses, mal in jenes. Dann kam ich bei einem großen Schuhgeschäft an. Dieses war für heute mein Hauptziel gewesen. Erstens wollte ich mir neue Schuhe für den Sommer kaufen und zweitens konnte man hier in diesem Riesenladen auch als Mann mal unauffällig durch die Damenabteilung gehen. Das ging besonders deshalb so gut, weil die Damenabteilung im Erdgeschoß ist während sich die Herrenabteilung in Ersten Stock befindet.
Mein Weg durch die Damenabteilung führte natürlich an den Regalen vorbei in denen die eleganten und hohen Damenschuhe standen. Ich blieb aber zunächst vor einem Regal mit sehr schönen Damenhalbschuhen stehen. Ein Paar dunkle Halbschuhe mit vier Zentimeter hohem Absatz hatten meine Aufmerksamkeit erregt. Es war kein ausgesprochen eleganter Schuh eher so einer der von Frauen jeden Tag im Büro angezogen wird. Der Absatz war zwar vier Zentimeter hoch aber es hatte keinen spitzen Absatz. Eben kein Pumps sondern ein bequemer Schuh den eine Frau leicht den ganzen Tag tragen konnte.
Vor dem Regal stehend, die Hände in den Jackentachen, betrachtete ich die Schuhe. Die Finger meiner rechten Hand spielten mit dem Amulett in meiner Tasche. Wie sich wohl so ein Schuh fühlt, dachte ich. Wie das wohl ist, den ganzen Tag an den Füßen einer Frau zu sein. Unfähig etwas zu sagen oder zu tun. Völlig ausgeliefert zu sein. Von der Frau unbemerkt und unbeachtet zu sein. Immer und immer wieder getragen und abgenutzt zu werden. Der Gedanke fesselte mich geradezu. Ich versetzte mich gedanklich immer mehr in die Lage dieses Schuhs. Was wenn ich die Seele eines solchen Schuhs wäre?
Plötzlich spürte ich ein Kribbeln in der rechten Hand. Ein feines aber deutlich spürbares Kribbeln. Es stieg in meinem Arm hoch. Ich erschrak, das Kribbeln ging eindeutig von dem Amulett aus. Es stieg in meinem Arm höher und höher. Unfähig mich zu bewegen wurde mein ganzer Körper von diesem Kribbeln erfaßt. Ich hatte das Gefühl ohnmächtig zu werden. Das Bild der Schuhe vor meinen Augen begann zu verschwimmen. Dann wurde mir schwarz vor Augen.
Langsam erschien wieder ein Bild vor meinen Augen. Ich wollte mich umschauen, aber ich konnte meinen Körper nicht spüren. Das Bild wurde klarer. Ich erkannte den Schuhladen. Ja ich befand mich immer noch in dem Schuhladen. Aber was war passiert. Ich war völlig bewegungsunfähig. Aber ich lag nicht am Boden, denn ich schaute genau auf ein Schuhregal.
Plötzlich hörte ich Stimmen, Frauenstimmen. “Ja der dort, der schwarze,” sagte ein Frau. Dann sah ich eine riesige Hand auf mich zukommen. Mein Gott, was war bloß los. Ich wurde gepackt und sah vor meinem Auge das Schuhregal vorbei sausen. Nein ich war es der vorbei sauste.
“Nein, nicht der hohe, der flache daneben,” hörte ich wieder die Stimme sagen.
Dann sauste das Regal andersherum an mir vorbei, oder besser gesagt ich an dem Regal. Dann sah ich wieder dasselbe Bild vor meinem Auge. Was war das bloß?
Dann begriff ich langsam: Ich steckte in dem Schuh – nein ICH war der Schuh! Jetzt sah ich einen Frauenoberkörper an mir vorbeiziehen. Tatsächlich, ich war der Schuh den ich eben noch so bewundert hatte. Jetzt stand ich als Schuh hier in einem Schuhregal in dem größten Schuhgeschäft unserer Stadt. Da, schon wieder packte mich eine Frauenhand. Ich spürte ihre Finger an meiner Seite. Sie nahm mich in beide Hände und drehte mich herum. Um Himmels Willen, mir wird ja schwindelig, dachte ich. Denn die Bilder des Ladens und der Frau rasten nur so an mir vorbei während sie mich hin und her drehte. Dann stand alles Kopf. Ach so, sie schaute wohl auf das Preisschild auf meiner Sohle. Und Zack, stand ich wieder im Regal. Offenbar war ich ihr zu teuer. Oder die Größe paßte ihr nicht, die steht ja auch auf der Sohle, dachte ich.
Als ich mich vom ersten Schreck erholt hatte begann ich langsam zu begreifen. Meine Seele, bzw. mein Geist befand sich nun in einem Schuh. Ich hatte mich also in einen Schuh verwandelt. Offenbar war dieses Amulett daran Schuld. Mein Körper und auch meine sämtliche Kleidung die ich eben noch getragen hatte war verschwunden. Ebenso das Amulett. Wie konnte ich mich zurückverwandeln, konnte diese Verwandlung überhaupt rückgängig gemacht werden, und wenn ja wie und von wem? Eine Menge Fragen auf die ich überhaupt keine Antworten hatte. Offensichtlich konnte ich aber meine Umgebung wahrnehmen, also sehen. Ich konnte alles was vor der Schuhspitze war sehen. Allerdings konnte ich mich nicht bemerkbar machen. Also sprechen oder bewegen. Ich war zur absoluten Passivität verdammt. Aber fühlen, fühlen konnte ich noch, denn ich hatte ja den Druck der Finger gespürt als die Frauen mich in der Hand hielten.
Nun wurde es immer ruhiger in dem Laden. Immer weniger Menschen gingen an mir bzw. dem Regal in dem stand vorbei. Es mußte wohl um die Mittagszeit sein. da war in der Stadt immer wenig los. Nach einer Weile kamen zwei Frauen auf das Regal zu. Eine schien eine Verkäuferin zu sein, die andere eine Kundin. Die Verkäuferin nahm mich hoch und hielt mich der Kundin hin.
“Probieren sie den doch mal, der ist sehr bequem,” sagte die Verkäuferin.
Die Kundin nahm mich in die Hand und betrachtete mich von allen Seiten.
“41… ja der könnte passen” entgegnete sie.
Dann gingen beide zu einer Sitzgruppe zum Anprobieren. Die Kundin reichte mich wieder an die Verkäuferin. Diese setzte sich auf einen dieser Schuhanprobehocker und legte mich auf den Boden. Ich stand genau vor einem Karton. Außer einer riesigen weißen Wand konnte ich nichts erkennen. Wenn ich doch nur noch in eine andere Richtung sehen konnte dachte ich. Und während ich noch überlegte, daß jetzt das Geschehen hinter mir ablief, verschwamm die weiße Wand vor meinem geistigen Auge. Je mehr ich an das Geschehen hinter mir dachte desto mehr verschwamm alles. Plötzlich sah ich etwas anderes. Ich erkannte die Füße der Kundin. Gerade hatte sie den rechten Schuh ausgezogen.
Das war sehr interessant. Ich konnte also durch intensive Konzentration bestimmen wohin ich sehen konnte. Plötzlich wurde ich hoch gerissen und blickte steil in den Himmel, oder besser gesagt in das Gesicht er Verkäuferin.
Sie hatte mit auf die Schräge des Anprobenhockers gestellt, damit die Kundin mich besser anziehen konnte. Dadurch war meine Konzentration gestört worden und ich sah wieder nach vorn. Dann spürte ich einen enormen Druck auf mich. Ich hatte das Gefühl zu platzen oder auseinandergerissen zu werden.
“Warten sie ich helfe ihnen mit dem Schuhanzieher,” hörte ich die Verkäuferin sagen.
Jetzt spürte ich einen Ruck und ein irres Ziehen in mir. Offenbar hebelte die Verkäuferin den Fuß der Kundin mit dem Schuhanzieher in mich hinein. Dann sauste wieder alles an mir vorbei. Die Kundin hatte den Fuß von dem Hocker gehoben und auf den Boden gestellt. Mit einem Mal bemerkte ich, daß ich auch riechen konnte. Ich roch den leichten Schweißgeruch des Fußes in mir. Dann spürte ich den Druck, den der Körper der Frau auf mich ausübte. Druck, Entlastung, Druck, Entlastung, Druck. Entlastung… mit jedem Schritt das gleiche Spiel.
Ich kam mir vor wie in einem Schleuderkurs, und alles nur deshalb weil die Frau ein paar Schritte durch den Verkaufsraum ging. Jetzt begann sie die Zehen zu strecken und zu beugen. Vermutlich wollte sie testen, ob vorn im Schuh genug Platz ist. Dann stellte sie den Fuß so, daß der Schuh nur auf der Kante des Absatzes stand, mit dem Erfolg, daß ich nur noch an die Decke des Verkaufsraums sehen konnte. Dann ging sie zurück zu ihrem Anprobeplatz. Sie stellte den Fuß wieder auf die Schräge des Hockers und begann mit den Fingern an dem Schuh herumzudrücken.
“Die sitzen prima,” hörte ich die Frau sagen, “ich glaube die nehme ich”. “Okay, ich werde sie ihnen einpacken. Sie können schon zu Kasse gehen” antwortete die Verkäuferin.
Was, was war das? Ich war verkauft worden, ich war verkauft worden, ich konnte es nicht fassen. Wie ein Sklave verkauft. Nun, so als Schuh war ich ja auch wie ein Sklave. Völlig ausgeliefert und willenlos. Hoffentlich würde mich meine Besitzerin auch gut behandeln.
Die Verkäuferin packte mich mit kräftigen Griff zu dem linken Schuh in den Karton. Wenige Sekunden später wurde es dunkel um mich, denn die Verkäuferin hatte den Karton mit dem zugehörigen Deckel verschlossen.
Ich weiß nicht wie lange ich so im dunklen gelegen hatte aber jetzt wurde es plötzlich wieder hell. Noch ehe ich richtig wußte was los war spürte ich wieder diesen enormen Druck und dieses irre ziehen in mir. Klar, dachte ich, die Frau wird dich jetzt wieder angezogen haben. Und richtig, wenige Augenblicke später sah ich nicht nur die Frau sondern auch mich an ihr. Sie hatte mich angezogen und war dann zu einem Spiegel gegangen. Scheinbar waren wir in ihrer Wohnung im Schlafzimmer. Die Frau sah sehr attraktiv aus. Sie war so etwa Anfang 30 schätze ich.
“So, ihr werdet jetzt ein wenig eingelaufen und dann geht’s raus in die weite Welt!” hörte ich sie leise vor sich hin sagen.
Kurz darauf begann sie ihre Wohnung aufzuräumen. Sie lief von einem Zimmer ins andere, nahm Sachen in die Hand, legte sie wieder fort oder räumte das ein oder andere zusammen. Nach kurzer Zeit kannte ich die ganze Wohnung. Langsam ließ auch das ziehen in mir nach. Offenbar dehnte sich das Leder durch die Wärme und den Schweiß des Fußes.
Plötzlich fiel ein Pizzakarton vor mir auf den Boden. Dann hob die Frau den rechten Fuß und stellte ihn auf eine Ecke des Kartons. Für einen kurzen Moment spürte ich die Ecke des Kartons. Sie schien sich in mich zu bohren. Aber das Gewicht der Frau war stärker. Die Ecke gab nach und wurde platt gedrückt. Die Frau stellte sich danach noch kurz auf die anderen Ecken und plättete so den gesamten Karton. Kurze Zeit später hob sie den Karton wieder auf und legte ihn in ein Regal. Vermutlich legte sie ihn zu dem anderen Altpapier.
Anschließend hörte ich sie etwas wie: “So fertig!” sagen und sie ging in Richtung Schlafzimmer. Dort stellte sie sich vor ihren großen Spiegel. Sie stellte sich so vor den Spiegel, daß sie ihre Schuhe, also mich, gut sehen konnte. Da sie sich dafür einige Zeit nahm, konnte ich zum erstenmal so richtig sehen an wenn ich verkauft worden war. Die Frau war groß, dunkelhaarig und von schlanker Gestalt.
Sie drehte sich langsam vor dem Spiegel. Es schien als wolle sie ihre neuen Schuhe von allen Seiten ausgiebig anschauen.
Kurze Zeit später ging dann alles recht schnell… Sie streifte mich von ihren Füßen, zog sich aus und ging ins Bett. Mich stellte seitlich neben ihren Schuhschrank. Dort verbrachte ich die Nacht.
Am nächsten Morgen wachte ich durch den hellen Klang ihrer Stimme auf: “Shit, auch das noch es regnet, dann ziehe ich wohl besser erst mal die alten Schuhe wieder an…” hörte ich sie sagen.
Also blieb ich den ganzen Tag neben dem Schuhschank stehen. Am Abend kam sie wieder nach Haus. Sie schien in Eile zu sein, denn sie zog sich recht hastig um. Da sie mich gestern so abgestellt hatte, daß ich in gut den ganzen Raum überblicken konnte, konnte ich sie gut beobachten.
Sie saß an ihrem Frisiertisch und lackierte sich die Fingernägel. Nachdem sie damit fertig war hörte ich sie sagen: “Hui, jetzt wird’s aber Zeit!”
Dann kam sie schnellen Schrittes auf mich zu. “Ach je, die muß ich ja noch eincremen…” hörte ich sie sagen während sie mich aufhob. Sie stellte uns neben einen Stuhl und holte ihr Schuhputzzeug. Anschließend setzte sie sich auf den Stuhl und nahm mich hoch.
Für ihre zart wirkenden Finger hatte sie einen erstaunlich festen Griff. Zeitweise konnte ich ihre schöne geformten etwas längeren Fingernägel erkennen. Zunächst trug sie Schuhcreme auf. Dann fuhr sie mit einer Hand in mich hinein. Mit der anderen Hand begann sie dann die Creme zu verteilen. Dabei ging sie sehr umsichtig und gründlich vor. Mit fast zärtlichen Bewegungen verteilte sie die Creme.
Nachdem diese etwas eingezogen war, gings ans Polieren. Dazu zog sie die Schuhe allerdings an. Ruck Zuck war sie mit ihrem Fuß in mich eingedrungen. Dann ging alles sehr schnell. Sie nahm einen Lappen und wienerte uns blank.
Da sie schon den ganzen Tag in ihren alten Schuhen herumgelaufen war, waren ihre Füße von einem leichten Schweißgeruch umgeben. Wenige Augenblicke später verließen wir ihre Wohnung.
“Wohin gehen wir wohl?” dachte ich bei mir. Noch ehe ich den Gedanken richtig zu Ende denken konnte stieg sie in ihr Auto ein. Von da an spürte ich nur noch Druck am Absatz und unter ihrem Ballen.
Immer wenn sie mich vom Gaspedal zum Bremspedal bewegte gab es enorme Druckstöße. Offenbar bremste sie immer recht spät, dafür aber ums fester. Nach diese hin und her ging der Streß aber erst richtig los, wir waren nämlich zu einer großen Party gefahren. Nach der Begrüßung des Gastgebers gings direkt in Gedränge.
Sie schien zunächst ihre engeren Freunde persönlich begrüßen zu wollen, denn sie zwängte sich kreuz und quer durch die Menge. Ständig begegnete ich anderen Schuhen. Hin und wieder trat sie sogar aus Versehen ein wenig auf den Fuß eines anderen Gastes. Ein paar Freundinnen wurde ich ausführlich vorgeführt. Dabei streckte sie mich immer aus und drehte ihren Fuß auf dem Absatz hin und her. Alle waren von mir begeistert und wollten wissen wo sie mich gekauft hatte.
Der Raum in dem die Party stattfand, war scheinbar ein Partykeller. Der Boden war gefliest und dementsprechend kalt. Nach der ausgiebigen Begrüßung und Schuhvorführung wurde meine Besitzerin hungrig und steuerte das kalte Büfett an. Während sie all die Leckereien bewunderte, konnte ich nur das sehen was sich unter dem Tisch befand: schmutziges Geschirr in Wannen, Gertränkekisten, und allerlei anderer Kimskrams der dort verstaut worden war.
Langsam ging sie seitwärts am Tisch entlang und nahm sich von vielerlei Speisen jeweils eine Kleinigkeit. Ich hatte meinen Blick derweil zur Seite gelenkt und bemerkte, daß wir uns langsam aber sicher einigen heruntergefallenen Nudeln und einer größeren Ansammlung von Brotkrümeln näherten. Sie schien das nicht weiter zu bemerken, da sie oben auf dem Tisch beschäftigt war. Und dann passierte es…
Während die anderen Gäste wohl bislang um diese Dinge herumgegangen waren, setzte mich meine Besitzerin genau darüber. Für den Moment war noch nichts geschehen, denn sie stand nur auf der Absatzkante. Aber dann begann sie langsam die Fußspitze zu senken. Sie verlagerte ihr Gewicht nun vom linken auf den rechten Fuß. Ganz langsam kam meine Sohle den Nudeln näher und näher. Zunächst spürte ich nur die Mayonnaise, dann die ganzen Nudeln. Diese hatten keine Chance. Plötzlich verlagerte sie das Gewicht völlig auf mich und die Nudeln wurden unter mir zerquetscht.
Zum Teil klebten die Nudeln jetzt an mir, aber nach ein paar weiteren Schritten waren sie schon wieder abgelaufen. Nur gut das hier gefliest ist dachte ich. In mir drin wurde es derweil ständig wärmer. Dadurch entstand auch immer mehr Schweiß. Das steigerte sich dann noch als meine Besitzerin zu tanzen begann.
Das war ziemlich anstrengend für mich. Ich wurde ziemlich gedehnt und bei den schnellen Tänzen wurde der Druck teilweise übermächtig. Bald spürte ich eine ziemliche Erschöpfung. Glücklicherweise wurde meine Besitzerin da auch schon langsam müde und begann sich zu verabschieden. Etwas eine Stunde später stand ich wieder neben ihrem Schuhschrank zum Auslüften.
Von nun an trug sie mich regelmäßig und bald schon wurden die Zeiten zwischen dem Eincremen immer länger. Vom vielen Tragen war ich auch schon ein ganzen Stück geweitet worden. Außerdem hatte ich mich durch die Wärme, den Fußschweiß und das viele Tragen an ihre Fußform angepaßt. Sie trug mich jetzt immer sehr gerne, denn ich war ihr sehr bequem geworden. Mit der Zeit hatte ich dann meine eigentliche Herkunft fast vergessen. Ich erlebte ein Menge schöner aber auch trauriger Augenblicke mit ihr. Einige waren sogar für mich traurig, z. B. als wir damals diesen Waldspaziergang mit einem ihrer Freunde unternahmen. Sie war durch ihn sehr abgelenkt und achtete überhaupt nicht darauf wohin sie trat. Ich konnte damals nichts machen, mein Absatz schwebte genau über dieser kleinen Schnecke und dann ging es ganz schnell. Ihr Fuß drückte mich auf diese Schnecke herunter und ich konnte es hören und fühlen wie das kleine Schneckenhaus zermalmt wurde. Ein paar Splitter drückten sich damals tief in die Sohle meines Absatzes ein. Mittlerweile waren sie aber zusammen mit der Sohle ziemlich abgelaufen.
Schlimm war auch die Zeit, als in der Firma in der meine Besitzerin arbeitet umgebaut wurde. Diesen vielen kleinen spitzen Steinchen die dort herumlagen, das waren Schmerzen für mich. Genau wie diese Rosten über die wir immer gehen mußten. Die schnitten immer ziemlich tief in meine Sohlen ein. Dagegen war das Fahrrad fahren fast nichts, denn zum Glück hatten die Pedalen breite Gummiauflagen.
Tja irgendwann war dann das “neue von mir” und ich wurde zum Arbeitsschuh degradiert. Jetzt stehe ich hier in ihrem Spind bei ihrer Arbeit. Sie arbeitet als Krankenschwester in einem großen Krankenhaus. Oh, eben höre ich sie kommen. Sie schließt ihren Spind auf und nimmt mich heraus. Nun beginnt sie sich umzuziehen. Aber was ist das denn, sie zieht ihre Schuhe gar nicht aus und schlüpft in mich hinein. Sondern sie nimmt mich und den linken Schuh in die Hand.
Erst im Schwesternzimmer stellt sie mich wieder ab. Jetzt stehen wir hier neben ihrem Stuhl. Was hat das wohl zu bedeuten? Ah, da kommt sie schon wieder. Diesmal schiebt sie einen dieser Wagen mit den großen Müllbeuteln vor sich her. Oh nein, sie wird doch nicht …. Aber schon packt sie mich und legt mich oben auch den Müll. Zack, schon liegt der linke neben mir. Mit einem kräftigen Druck ihrer Hand drückt sie uns beide in den Müll.
“Ich bringe den eben weg.” höre ich sie noch zu ihrer Kollegin rufen, dann betätigt sie das automatische Verschlußsystem und ich bin in dem Sack eingesperrt. Jetzt spüre ich wie sie den Wagen anschiebt. Ich habe Angst, sie will mich nicht mehr, denke ich. Dann wird mir bewußt was wohl gleich passieren wird, denn ich habe es schon oft erlebt das sie diese Säcke wegbringt.
Und richtig, der Wagen wird gestoppt. Wir sind im Fahrstuhl angekommen. Ja es geht abwärts, bestimmt in den Keller.
Dann wird der Wagen wieder von ihr angeschoben. Dann höre ich sie: “Hau ruck!” sagen und spüre wie sie den Sack irgendwo draufhebt. Irgendwo, nein auf den Hubmechanismus der Müllanlage. Gleich werden ihre Finger diesen Knopf drücken und ich werde mit diesem Sack in den Riesenschlund der Müllanlage gekippt. Langsam und gleichmäßig spüre ich wie der Sack angehoben wird. Plötzlich gibt es einen Ruck und der Sack poltert vom Hubmechanismus herunter in Schlund. Das Geräusch der Anlage ändert sich. Oh nein jetzt wird sie sicher die Anlage in Gang setzen. Sie wird erst den gelben und dann den grünen Knopf mit ihrem rechten Zeigefinger tief eindrücken. Es wird langsam dunkler um mich. Ja, jetzt wird das Schutzgitter geschlossen. Gleich werde ich wieder diese schrecklichen Geräusche hören. Da, es geht schon los, dieses Splittern, Quetschen, Klirren und Knetern. Dann wird es für einen Moment leiser und ich höre wie sich die Schritte meiner Besitzerin entfernen. Klack, Klack, Klack…
So war es immer gewesen. Sie hatte den grünen Knopf gedrückt und war dann weggegangen. Plötzlich reißt der Sack in dem ich liege auseinander. Dadurch wird es wieder ein wenig heller. Aber was ist das: oh Gott ich blicke genau auf die langsam rotierenden alles zermalmenden Zähne eines riesigen Müllreißwolfs auf die ich immer weiter zu rutsche. Zusammen mit dem anderen Müll…

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